Mit Die Meistersinger von Nürnberg schuf Richard Wagner – nach dem frühen Liebesverbot – seine zweite komische Oper. Auch wenn hier ein „Humor dem nicht zu trauen ist“ (Carl Dahlhaus) zur Anwendung kommt, darf man sich amüsieren. Heiterkeit bestimmt vordergründig das Geschehen. Nicht Götter und Helden, die der germanischen Mythologie entsprungen sind, spielen dieses Mal die Hauptrolle, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Die Hauptfigur Hans Sachs hat tatsächlich gelebt und gedichtet und ist als Mitglied der Meistersinger-Gilde historisch verbürgt. Ebenso belegt sind jene strengen Rituale dieser Gilde, die Wagner in seiner Oper thematisiert.
Niedergeschrieben wurden sie 1697 in einem Buch über die „holdselige Kunst“ der Meistersinger. Das „Überlieferte“ zu bewahren war das vorrangige Ziel dieser Regeln. In Wagners personalintensiver Komödie mit 17 Rollen, großem Chor und entsprechend gewaltigem Orchester geht es genau darum: ein jugendlicher Bilderstürmer wird anfangs Opfer dieser starren Tradition.

Worum geht es?
Ein Ritter liebt eine Frau. Diese allerdings darf nicht einfach ihren Liebhaber ehelichen, sondern soll dem Wunsch ihres Vaters gemäß (einem prominenten Mitglied der Meistersinger-Zunft) dem Sieger eines Sängerwettstreits zur Frau gegeben werden. Weil der Ritter nicht Mitglied der Meistersinger-Gilde ist, muss er dieser beitreten, ehe er am Wettstreit teilnehmen und damit um die Hand der Meistersinger-Tochter anhalten darf. Der Ritter namens Walther von Stolzing (ein Tenor) stürzt sich wagemutig in das Unternehmen, scheitert aber kläglich an den strengen Aufnahmebedingungen: er hat die überlieferten und komplizierten Regeln vielfach verletzt, was ihm wortreich vom Stadtschreiber Sixtus Beckmesser vorgeworfen wird.
Stolzing würde jetzt am liebsten mit der von ihm Verehrten (sie heißt Eva und singt Sopran) fliehen. Doch Sachs verhindert dies. Die beiden Liebenden müssen mitansehen, wie der Stadtschreiber, der sich ebenfalls Hoffnungen auf Eva macht, sein Bewerber-Lied probeweise dem Schuster Hans Sachs (ein stimmkräftiger Bassbariton) vorträgt. Sachs wiederum moniert zahlreiche Fehler in Beckmessers Lied. Es kommt zum Tumult. Das nächtliche Singen in den Gassen Nürnbergs löst eine Massenschlägerei aus.
Am nächsten Morgen ist wieder Ruhe eingekehrt. Sachs lässt Stolzing ein Lied komponieren, das weitestgehend den Regeln der Meistersinger entspricht. Das von Sachs notierte Lied findet Beckmesser, der zunächst glaubt, es sei von Sachs und dieser wolle selbst in den Ring um Eva steigen. Doch Sachs schenkt Beckmesser das Lied. Dieser zieht fröhlich und siegesgewiss von dannen. Beim Wettsingen auf der Festwiese trägt er es vor, allerdings textlich entstellt; und musikalisch läuft das Lied gleichfalls aus dem Ruder. Stolzing wird als der wahre Autor ausgemacht und ermuntert, es zu singen. Er triumphiert natürlich und der Brautvater überreicht ihm den Meistersingerkranz. Doch Stolzing lehnt die Aufnahme in den edlen Kreis ab. Hans Sachs weist ihn daraufhin zurecht. „Ehrt eure deutschen Meister“, ruft er Stolzing entgegen. Alle jubeln Sachs zu.
Udo Stephan Köhne
