Wagner & Minden

Die vielfältigen Aktivitäten des  Internationalen Richard Wagner Verbandes bereichern maßgeblich das Mindener Kulturleben seit der Gründung der „Ortsgruppe Minden“ im Jahr 1912.

„Ob man sich eine Zusammenarbeit bei einer Opernproduktion vorstellen könne“, fragte der damalige Mindener Theaterleiter Bertram Schulte im November 1999 in einer Konzertpause den Orchestergeschäftsführer der Nordwestdeutschen Philharmonie. „Man habe u.a. mit der Uraufführung der Kammeroper „Friedrich und Katte“ zum 1200-jährigen Stadtjubiläum (1998) vielbeachtete Akzente gesetzt und nun plane die Vorsitzende des örtlichen Richard Wagner Verbandes Minden, Frau Dr. Jutta Winckler, zu dessen 90. Geburtstag im Jahr 2002 die Produktion einer Wagneroper. Dieses sei aber ein viel größeres Format und man brauche dafür von allem ein leistungsfähiges Orchester.“ Eine solche Kooperation konnte sich nach seinem Amtsantritt ein paar Monate später auch der neue Orchesterintendant, Andreas Kuntze, vorstellen, der seinerseits den jungen Dirigenten Frank Beermann für dieses ehrgeizige Projekt gewinnen konnte. 

Die besonderen Aufführungsbedingungen im Mindener Theater bedingten eine Platzierung des Orchesters (und ggf. Chören) im hinteren Teil der Bühne mit einer Gaze als Videoprojektionsfläche zwischen Orchester und der Spielfläche der Sängerinnen und Sänger. Dadurch agieren letztere vor und nicht wie üblich hinter dem Orchesterklang und können so durch differenzierte Mimik und Rollenspiel mit dem Publikum direkt in Kontakt treten. Diese Konstellation hat sich  akustisch und spieltechnisch als sehr geeignet erwiesen und wird inzwischen als „Mindener Modell“ an  den Hochschulen weitergegeben.

Die Richard Wagner Verbände in Deutschland haben es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht, das Œuvre Wagners zu pflegen, besonders auch die Nachwuchsförderung ist ihnen ein wichtiges Anliegen. Für die künstlerische Entwicklung von jungen Sängerinnen und Sängern ist es sehr wichtig, die Gelegenheit zur Mitwirkung in einer anspruchsvollen Opernproduktion zu be-kommen: Viele Solistinnen und Solisten der vergangenen Produktionen haben sich in Minden mit einem Rollendebüt profilieren und für die Übernahme internationaler Verpflichtungen qualifizieren können.

Auch die Rückgewinnung jüngerer Generationen für den Erhalt kultureller Werte ist erklärtes Ziel, um der Entwicklung zu Kulturpessimismus und Spaßgesellschaft etwas aktiv entgegen-zusetzen. Dafür wird in vorbereitenden Workshops an den Schulen, durch „Hinter-die-Kulissen-schauen“ während der Probenarbeit und vor allem in gesonderten und gut vorbereiteten Schulvorstellungen den Jugendlichen ein besonders intensiver Zugang zum Werk Richard Wagners und zu allen Aspekten des Musiktheaters ermöglicht.

Am 28. September 2002 feierte die Produktionsgemeinschaft von Richard Wagner Verband Minden, Stadttheater Minden und Nordwestdeutscher Philharmonie unter Leitung von Frank Beermann mit der überregional beachteten Premiere von „Der fliegende Holländer“ einen ersten großen Erfolg. Es folgten „Tannhäuser“, „Lohengrin“, „Tristan und Isolde“, von 2025 bis 2019 der komplette „Ring“ und 2023 schließlich noch „Parsifal“. Die Stadt Minden erarbeitete sich beim Publikum und der überregionalen Fachpresse eine besondere Anerkennung als „Bayreuth des Nordens“.

Dass diese Produktionsgemeinschaft ein Vierteljahrhundert überdauern und im Jahr 2026 die noch verbliebene der 10 großen Opern Richard Wagners, „Die Meistersinger von Nürnberg“, auf die Bühne des Stadttheaters bringen würde, war bei der Holländer-Premiere selbstverständlich noch nicht abzusehen und begründet sich wesentlich durch die vielfältige und aktive, aber natürlich auch erhebliche finanzielle Unterstützung der Produktionen durch die Mindener Bürgerschaft und Wirtschaft.